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Sonntag, 11. Dezember 2011 - 15:30 Uhr
Auf den Keks!

Auf den Keks!
In Deutschland geht man sich gerne auf den Keks, in England weiß man how the cookie crumbles und die Franzosen erheben ihre edlen Macarons gar zum eleganten Gipfel der Genüsse.
Brödle, Kekse, Plätzchen, Gutsle. Jetzt im Advent, wenn es draußen so richtig knackig kalt und suddelig ist, schmecken sie einfach am allerbesten zu einer Tasse heißer Schokolade, Kaffee oder Tee.
Kekse gibt es von ganz schlicht und einfach bis hin zu aufwändigsten, schon fast handgeschnitzten Variationen. Mit oder ohne Dekorationen aus Zuckerguss, Nonpareilles, Mokkabohnen, Puderzucker. Mit Füllungen aus Nougat, Gelee, Marmelade, Schokolade. Aus feinstem Weizen-, Dinkel- oder Vollkornmehl. Mit Trockenfrüchten, Pinienkernen, Mandeln, Hasel- und Walnüssen. Mit Safran, Piment, Muskatnuss, Sternanis, Zimt, Ingwer und scharfem Chili. Ausgeradelt, aus unterschiedlichsten Ausstechern oder Modeln herausgehoben, aufeinandergetürmt oder einfach mit Hilfe eines Teelöffels auf Backblech gesetzt. Manche mit hochprozentigen Zutaten, andere mit so wenig Zucker wie möglich. Für Allergiker und Allesesser. Von mürbem Heidesand bis zu flockig leichten Makronen.
Lebkuchen sind unser traditionellstes und weitaus ältestes Weihnachtsgebäck, wobei man nicht vergessen sollte, dass nicht automatisch jeder in den Genuss dieses aromatischen und gesunden Würzgebäcks kommen konnte. Erst so gegen Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts waren es nicht mehr ausschließlich die Angehörigen der gehobenen Gesellschaftsschichten, die sich den Luxus von Zimt oder gar Kakao leisten konnten.
Ich kenne niemanden, der Kekse, besonders selbst gebackene, nicht mag oder es sich verkneift, nicht zuzugreifen, wenn sie angeboten werden.
Zimtsterne, Albertle, Bethmännchen, Vanillekipferl, Kokosmakronen, Husarenkrapfen, Himbeerlebkuchen, Spekulatius, Printen, Cantucci, Spitzbuben, Spritzgebäck, Butterplätzchen, …
Jeder hat so seine eigenen Favoriten. Bei mir sind das die Vanillekipferl meiner Mutter. Und jeder hat so seine eigenen Backmacken. Bei mir darf nur Butter in den Teig, ich nehme weniger Zucker als angegeben und Teig ausrollen mag ich so gar nicht leiden. Davon mal abgesehen, sind meine Keksdosen meist erst zum 2. Advent mit frischem Gebäck gefüllt und ich probiere jedes Jahr neue Rezepte aus. Dieses Jahr sind es Kirsch-Cantuccini, Cranberry-Shortbread und Zitronen-Heidesand.
Ich verschenke und genieße Kekse gerne, nur eines mag ich gar nicht: traurigen fertigen Plätzchenteig aus dem Kühlregal. Auch wenn ich nicht gerne auswelle, so was kommt mir gar nicht in die Tüte!
Oh, der Küchenwecker hat geklingelt, ich bin dann mal weg. Noch mehr Kekse backen!
Hochachtungswoll knusprige,
Ev
Samstag, 3. Dezember 2011 - 22:39 Uhr
Am Stock

Am Stock
Man nimmt das Alltägliche nicht mehr als selbstverständlich wahr, so normal ist es, dass man sehen, reden, riechen, hören, greifen und laufen kann.
Man rennt, schlendert, tanzt und rast durchs Leben und regt sich auf, wenn vorne dran eine lahme Krücke alles ins Stocken bringt, so dass man langsam machen oder gar gleich ganz anhalten muss.
Bis man sie selber braucht, die Krücke, um sich vorwärts zu bewegen. Als ungelenkes, langsam stakendes Hindernis.
Erst dann merkt man, wie kostbar und schön es war, keine Hilfe beim Gehen zu brauchen. Erst dann denkt man darüber nach, was man eigentlich alles für so vollkommen nebensächlich normal hält.
Die Krücken helfen dabei, das Rückgrat einigermaßen gerade zu halten. Aber sie sind auch eine Hilfe hin zur Demut, zu einem stückchenweisen Blick auf eine ganz andere Welt.
Im Krückengang kannst Du nicht immer mit den Augen geradeaus nach vorne laufen. Immer wieder schaust Du nach unten, zu Deinen Füßen hin, ob der Weg auch wirklich eben und ohne Stolperfallen ist, denn kommt man ins Straucheln, wird man das nicht mal eben so mit einem Ausfallschritt abfangen können. Man konzentriert sich ganz darauf, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Man kann nicht gleichzeitig einen Einkaufskorb tragen, in seiner Tasche nach dem Schlüssel wühlen, eine Trinkflasche schwenken oder mit dem Handy telefonieren. Immer schön eins nach dem anderen, nicht alles auf einmal oder nebeneinander her.
Die Reaktionen der Mitmenschen bekommt man auf diese Weise sehr direkt mit, indem freundlich lächelnd Türen aufgehalten oder Hilfe angeboten wird oder indem sich mit grummigen Kommentaren und böser Miene besonders ungeduldig Hastende an Dir vorbei quetschen und damit sich und Dich ins Straucheln bringen.
„Gemach! Gemach!“ möchte ich dann am liebsten sagen. Und dass der Tag durch immer hastig, eilig, schnell auch nicht effektiver wird. Aber ich krückig lahme Schnecke hab jetzt auch leicht reden.
Ich bin froh, dass ich sie hab die Krücken, die mir auch so einiges an Erkennen wie Schuppen aus den Augen haben fallen lassen. Wenn ich wieder richtig laufen kann, wird mir dieser Blick dafür hoffentlich nicht verloren gehen.
Einfach innehalten, nicht 1.000 Sachen gleichzeitig erledigen können und wollen. In innig ausgeglichener Ruhe in sich hinein hören, nach dem, was wirklich wichtig ist, nicht erst warten, bis einen das eigene Leben dazu zwingt, da man körperlich oder mental am Stock geht!
Hochachtungswoll,
Ev
Samstag, 26. November 2011 - 13:51 Uhr
Bitte nicht so streng!

Bitte nicht so streng!
Immer dann, wenn eine vereinte das-muss-ich-unbedingt-stricken-Welle über die Kreativgemeinde schwappt, trifft sie auf begeisterte Anhänger/innen oder stri(c)kte Ablehnung.
Das war so bei Fusselschals, Spülis, Pompongarn, beim Lanesplitter und so ist das auch bei gestrickten Weihnachtskugeln.
Auf der einen Seite stehen die, die von diesem Trend voll und ganz überzeugt sind, sich überschlagen, freuen und mit dem Stricken gar nicht mehr aufhören wollen und können. Auf der anderen die selbsternannte Stylepolizei, die am Geisteszustand der Strickenden zweifelt, sich darüber amüsiert und nicht an sich halten kann, mehr oder weniger boshaft die fertigen Strickstücke zu kommentieren.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man so ein Gewese über Gestricktes machen kann. Gut, ich kann es nachvollziehen, wenn man sich über gestrickte Diktatoren aufregt oder über gehäkelte Sezierfrösche und das böse Wort Tampongarn habe ich auch schon mehrfach benutzt. Ist halt nicht immer schön, was man zu sehen bekommt. Muss außer für die, die es entstehen ließen und damit arbeiten, auch nicht schön sein. Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Fertig.
Wieso man dann aber mit aller Gewalt - und das ist es leider auch in kleinen schwarzen Lettern immer wieder - versucht, sich selbst über die vermeintlich im Geiste Kleinen zu profilieren, entzieht sich komplett meinem Verständnis.
Ich halte es lieber mit meinem alten Deutschlehrer, der sich auf die Fahne geschrieben hatte „Primär ist mir erst einmal wichtiger, DASS jemand liest, als das, WAS er liest“.
So sollte das auch mit unserem liebsten Hobby gehalten werden:
Das Ausschlaggebende ist doch, dass jemand sich die Mühe einer Handarbeit macht. Respekt dafür. Und Respekt für die Entscheidung, dass sich darüber gefreut wird. Dass das für Dritte nicht so sein mag, verdient auch Respekt, dessen Freiheit aber genau dann erreicht ist, wo Häme, Spott und Überheblichkeit beginnen.
R wie Rücksicht
E wie Ehrensache
S wie Stricknadel
P wie Positiv
E wie Energiegeladen
K wie Knäuelhalter
T wie Traumhaft
Hochachtungswoll
Ev
Samstag, 19. November 2011 - 19:08 Uhr
Alte Bekannte

Alte Bekannte
So von Weitem hab ich Dich nicht erkannt.
Hast recht, schon lang nicht mehr gesehn.
Wie geht’s Dir?
Hab Dich anders in Erinnerung. Ist es Dein Gang, Dein Schritt?
Och, danke. Mir geht es gut.
Wenn ich ehrlich bin, hab ich Dich gern verdrängt.
Viel Neues gabs seit Dir. Kleines. Großes. Wichtiges. Banales. Leises. Lautes.
Es macht keinen Spaß, Dir gegenüber zu sein.
Wer steht schon gern Auge in Aug mit der eigenen Angst?
Samstag, 12. November 2011 - 16:14 Uhr
Autofahrgespräch

Autofahrgespräch:
Das jüngste Kind: „Du, Muttrich, gestern war Dein Klassenkamerad ff mal wieder im Fernsehen.“
Ich: „War’s interessant?“
Und dann entspann sich ein lustiges Gespräch darüber, was so aus einigen meiner Klassenkameraden geworden ist und das Kind merkte an, dass auch ihnen immer mal wieder vermittelt wird, sie wären die künftige Elite.
Oh, Mensch, was hab ich sie schon damals, als ich noch Schülerin war, gehasst, diese vermeintliche gymnasiale Weisheit. Elite. Ja, einige meiner ehemaligen Klassenkameraden gehören wirklich dazu. „Die sind heute Elite, dafür bin ich noch immer so elitär wie damals“ war meine Antwort ans Kind und wir schütteten uns aus vor Lachen.
Elite. Dieses in der Schule benutzte Wort implizierte für mich immer auch das mitgelieferte Bewusstsein, besser oder höher zu stehen als die Mitmenschen, die diese schulische Laufbahn nicht beschritten. Die Krux daran ist, dass ich diese Überzeugung nie hin- oder gar nur annehmen wollte.
Wissen ist Macht und Unwissenheit Ohnmacht – nur, wer bestimmt, welches Wissen das mächtigste ist? Die Geistes- oder die Herzensbildung? Und sehen die, die tatsächlich über dieses Wissen verfügen, sich als hervorgehoben im Sinne von Macht oder Überlegenheit?
Kommt Wissen vielleicht im Kostüm, in Schlips und Anzug daher? Je feiner, desto besser? Ist Elite messbar durch einen finanziell hohen Status und den Level des Niveaus im Gespräch, der eleganten Nutzung von Fach- und Fremdwörtern? Und wenn das so wäre, warum hatte ich einige der intellektuellsten Gespräche meines Lebens dann mit einem Aushilfskoch, der sich vor dem Essen erst einmal mit zusammengelegten Händen und geschlossenen Augen intensiv auf seinen Teller samt Inhalt konzentrierte, während sich die Anzugsträger drumherum, die im Monat ein mehrfaches seines Bruttojahresgehalt erhielten, darüber köstlich amüsierten und ihre Nasen rümpften?
Sind Elite-Menschen glücklicher und zufriedener als Otto Normalverbraucher? Und ist es wirklich so erstrebenswert, zur Elite zu gehören?
Ich gehör nur mir. Ich will kein Teil eines Kastendenkens sein und ob ff in seinem Leben glücklicher ist, als ich in meinem, das kann ich nicht beurteilen. Ja, mag sein, dass ich einen vermeintlich härteren Weg ging und gehe als er. Es liegt nicht an mir, dass zu beurteilen und zu bewerten und es ist auch nicht wichtig für mich. Ich kann nur sagen, dass es mir reicht, ich zu sein. Hier und jetzt.
Alles andere tangiert mich nur extrem peripher.